JCW Schule

„Eine besondere Schule haben wir hier als Nachbarn“

Über die Johann-Christoph-Winters-Schule – Städt. Schule für Kranke, Köln-Lindenthal – für die Schüler*innen der Katholischen Grundschule Lindenburger Allee und für deren Webseite (jcw-schule.de)

Das über einhundert Jahre alte Gebäude in der Lindenburger Allee beherbergt zwei Schulen: Die Katholische Grundschule und die „JCW-Schule“.

Seit vielen Jahren lernen und arbeiten Schüler*innen und Lehrkräfte der KGS und der JCW-Schule in freundschaftlicher, guter und kooperativer Gemeinschaft in einem Gebäude auf einem Grundstück.

Unsere Schule heißt Johann-Christoph-Winters-Schule und ist eine „Schule für Kranke“. Das heißt, bei uns werden Kinder und Jugendliche unterrichtet, die mindestens vier Wochen in einer Kölner Klinik / Krankenhaus behandelt werden oder in einer anerkannten jugendpsychiatrischen Wohngruppe leben.

Die JCW-Schule ist eine von 40 Schulen für Kranke (SfK) in Nordrhein-Westfalen. Bis 2005 galten sie als Sonderschulen, per Schulgesetz sind sie seitdem „Schulen eigener Art“. Das passt insofern, da Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen hier unterrichten, die meisten als Lehrer*in für Sonderpädagogik, aber auch Grundschul-, Hauptschul-, Realschul- sowie Gymnasiumslehrer*innen.

Unsere JCW-Schule Schule besteht eigentlich aus 5 Schulen bzw. sie hat 5 Standorte mit ca. 117 Schüler*innen täglich und 24 Lehrkräften. Über das ganze Jahr werden bei uns ca. 550 Schülerinnen und Schüler unterricht – ganz kleine und ganz große.

  1. 1. In der Lindenburger Allee, als Nachbar im gleichen Gebäude mit Euch, werden Schüler*innen ab Klasse 6 oder 7 bis Klasse 13 unterrichtet, die in der Uniklinik (Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Köln) oder anderen Einrichtungen behandelt werden.
    In der Lindenburger Allee gibt es Fachräume für Naturwissenschaften, Hauswirtschaft, Kunst und Werken.
    Mit Euch teilen wir uns die Sporthalle.
  2. 2. In der „Villa Kunterbunt“ auf dem Uniklinik-Gelände lernen Kinder aus den Klassen 1 bis 5/6 in vier Lerngruppen. Die Schüler*innen kommen auch von den Stationen der Kölner Uniklinik. Montags kommen die Kinder der Villa Kunterbunt zum Sport in die Lindenburger Allee.
  3. 3. Im Stadtteil Riehl gibt es eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 3 Klassen. Tagesklinik heißt, dass die Kinder von morgens bis abends in der Klinik sind, aber vormittags die Schule besuchen und abends nach Hause fahren.
  4. 4. In der Kinderklinik der Uniklinik und 
  5. 5. im Kinderkrankenhaus Amsterdamer Str. unterrichten wir Kinder, die auf den Stationen dort behandelt werden (mit Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz- oder Darmerkrankungen, ganz selten auch mal mit schwierigeren Brüchen).

Die Schule für Kranke trägt seit 1991 den Namen Johann-Christoph-Winters-Schule. Johann Christoph Winters war 1802 Gründer des Kölner Hänneschen-Theaters, ein Stockpuppentheater, in dem „Kölsch“ die erste Sprache ist.

Als Ausbildungsschule bildet die JCW-Schule Lehramtsanwärter aus.

Die JCW-Schule bietet an einem Tag in der Woche in der 1. Etage des ehemaligen „Rektorhauses“ Lindenburger Allee eine pädagogisch-jugendpsychiatrische Beratung an (in Kooperation mit der Uniklinik).

Manche Schüler*innen können bei uns einen Sekundarstufenabschluss nach Klasse 9 oder 10 erlangen.

  1.   Vieles ist wie bei Euch

Eigentlich sind wir eine „normale“ Schule, in der man lernen muss / darf; es gibt Fächer wie Deutsch, Mathematik, Englisch, Sport, Schwimmen, Sachunterricht, es gibt Pausen, Hausaufgaben, Tests, Feste, Feiern wie Sankt Martin, Weihnachten, Karneval u.a. und es gibt natürlich Schüler*innen und Lehrer*innen.

  1.   Vieles ist aber auch anders als bei Euch

Die Klassen sind viel kleiner als an Eurer Schule, im Grundschulbereich unserer Schule sind es 6-8 Kinder pro Lerngruppe, in den höheren Klassen bis zu 15 Schüler*innen.

Es gibt hier in der Lindenburger Allee Fächer, die Ihr an der KGS nicht habt: Geschichte, Physik, Biologie, Politik, Hauswirt schaft, Arbeitslehre, Gesellschaftslehre, Rechtskunde (da gehen manchmal Lerngruppen ins Kölner Gericht und schauen sich ein Verfahren an). Wir haben Termine mit der Agentur für Arbeit. Einige Schüler*innen und eine Lehrkraft fahren mit auf eine Schulskifahrt einer kooperierenden Schule.

Die Lehrer arbeiten sehr intensiv mit den Ärzten, Erziehern, Psychologen, Therapeu ten der Kliniken zusammen.

Es gibt bei uns Probleme / Krankheiten / Störungen, die es an jeder Schule gibt, auch bei Euch: Erkältungen, Streitereien, Lernprobleme, Unwohlsein, Weinen, traurige Momente usw. 

Bei uns sind die Probleme aber oft intensiver oder langandauernder, manchmal gibt es auch ganz andere Schwierigkeiten.

Manche unserer Schüler*innen Kinder haben Probleme, mit anderen gut klarzukommen, sie zanken sich sehr oft, bekommen Wutanfälle. Oft können sie sich nicht gut konzentrieren, sind sehr un ruhig, laufen herum oder stören andere Kinder. 

Andere kommen mit dem Essen nicht klar und essen zu wenig oder zu viel. 

Es gibt auch Schüler*innen, die oft sehr traurig sind und sich z.B. tagsüber stundenlang unter der Bettdecke verstecken möchten. 

Manche sind so krank und ha ben so große Probleme mit ihrer Stammschule (ihrer eigentlichen Schule, denn unsere Schüler*innen haben uns zeitweise als „zweite“ Schule) oder sie haben großen Stress mit den Eltern, so dass sie nicht mehr ihre Schule besuchen oder zu Hause wohnen können oder wollen.

Manche unserer Schüler*innen schlafen in der Klinik, andere kommen morgens und fahren abends wieder zurück nach Hause. 

Viele sind eigentlich richtig schlau, trotzdem fällt vielen das Lernen schwer.

Herr Oelsner, unser ehemaliger Schulleiter sagte einmal: „Die Schüler haben kein Brett vor dem Kopf, son dern ein Brett vor der Seele!“

In den Kinderkrankenhäusern Amsterdamer Str. und Uniklinik unterrichten wir Kinder / Jugendliche, die schwere Krankheiten wie Krebs oder anderes haben. Manche müssen wegen einer Operation lange Zeit im Krankenhaus bleiben (z.B. nach ei ner Nieren-Transplantation). Ab und zu gibt es Unterricht in Kleingruppen, manchmal, wenn die Kinder lange im Bett liegen müssen, gehen die Lehrer an die Krankenbetten und unterrichten dort. Die Lehrer, die dort arbeiten, haben auch schon erlebt, dass Schüler gestorben sind. Das ist dann besonders traurig. 

        1.   Im Grunde sind es Schüler*innen wie Ihr

Allen Kinder / Jugendlichen ist gleich, dass sie eigentlich – wie Ihr auch – lernen möchten und dass sie eigentlich eine Schule besuchen wollen. 

Viele Kinder und Jugendliche bekommen bei uns wieder eine neue Chance, manchmal beginnen sie mit einer Stunde Unterricht am Tag, später dann 2, dann 3, 4, 5 oder 6 Stunden. Einen Ganztag wie bei Euch gibt es nicht, denn nach der Schule geht es in die Klinik.

Die meisten Kinder gehen nach dem Unterricht auf ihre „Stationen“, essen dort, machen Hausaufgaben, bekommen Therapien und haben natürlich auch Freizeit (Fußball spielen, kickern, klettern, schwimmen, reiten…).

Ziel ist, dass die Kinder wieder so stark und fit werden, dass sie nach einigen Wo chen oder Mona ten in eine andere „normalere“ Schule wechseln können. 

Das kann eine ganz normale Schule wie Eure KGS sein, es ist auch oft die alte Schule. Es kann eine Schule sein mit Gemeinsamen Unterricht mit sonderpädagogischer Unterstützung, es kann auch eine „Förder schule“ sein, die als „besondere Schule“ kleinere Klassen hat und mehr Lehrer*innen, die unterstützen können.

Damit möglichst viele Kinder das Ziel erreichen , müssen sich alle anstrengen: die Schüler*innen selbst, Eltern, die Lehrkräfte, die Erzieher*innen, Therapeut*innen, Ärzt*innen.

In vielen Fällen verlassen die Kinder die Klinik und die Schule für Kranke erfolgreich nach einigen Wochen oder nach einigen Monaten. Manche haben auch danach noch viel Arbeit vor sich.

Übrigens, auch die Kinder der Johann-Christoph-Winters-Schule lieben es, wenn wir „Schwimmunterricht“ haben, nennen auch Kunst als ihr Lieblingsfach. Freitags fahren einige Kinder der Villa Kunterbunt zum Reiten.

September 2020